Geschlechtersensible Pädagogik in Kindertagesstätten

In einem Diskussionspapier vom September 2012 nimmt die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) Stellung zu den Herausforderungen einer geschlechtersensiblen Erziehung, Bildung und Betreuung in Kindertageseinrichtungen. Geschlechterbewusste Pädagogik ist demnach als umfassendes Qualitätsmerkmal in der Kindertagesbetreuung anzusehen.

Die aktuelle Bildungsdebatte mache deutlich, dass pädagogische Arbeit eine geschlechterbewusste Sichtweise benötigt, wenn die Chancen von Jungen und Mädchen verbessert werden sollen. Geschlechtersensible Pädagogik zeichnet sich durch die bewusste Wahrnehmung von Geschlechterrollen, die Reflexion von Sprache und Kommunikation und eine geschlechterdifferenzierte Auswahl von Räumen, Ausstattung und Materialien aus. Sie hat zum Ziel, den pädagogischen Alltag unter diesem Blickwinkel zu reflektieren, so die AGJ in ihrer Stellungnahme.

Die AGJ empfiehlt unter anderem

In der Elternarbeit sind Grundhaltungen und Positionen der geschlechtersensiblen Pädagogik zu reflektieren und auszuhandeln. Im professionellen Umgang mit den Eltern sollten Fachkräfte unabhängig von deren Haltungen die Chancen einer geschlechtersensiblen Pädagogik deutlich machen.

Gemischtgeschlechtliche Fachkräfte-Teams können den Erfahrungsraum der Kinder bereichern und traditionelle geschlechtsspezifische Zuschreibungen auflösen, wenn nicht stereotype Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder reproduziert werden. Notwendig ist eine kritische Analyse von geschlechtsspezifischen und geschlechtshierarchischen Sozialisations- und Lebenswirklichkeiten.

Im Zusammenhang mit den Ausbauplänen in der Kindertagesbetreuung darf geschlechtersensible Pädagogik nicht auf eine Erhöhung des Männeranteils in Kindertageseinrichtungen reduziert werden.

Wollen Fachkräfte als Vorbilder wirken, sind auch Teamprozesse und die Kommunikation miteinander immer wieder kritisch zu hinterfragen.

Unbedingte Voraussetzung für eine geschlechtersensible Haltung und Erziehungskompetenz sind (Selbst)reflexionsprozesse. Geschlechterbewusste pädagogische Ansätze sollten als Querschnittsthema in Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten für Fachkräfte insgesamt einen höheren Stellenwert erhalten.

Diskussionspapier "Geschlechtersensibilität als Merkmal und Gegenstand von Erziehung, Bildung und Betreuung in Kindertageseinrichtungen" vom September 2012 auf der Website der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe

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