Bundesjugendkuratorium kritisiert Verkürzungen in der Debatte über eine vermeintliche Benachteiligung von Jungen

Jungen und Mädchen müssen gleichermaßen gefördert werden.
Das Bundesjugendkuratorium kritisiert Verkürzungen in der Debatte über eine vermeintliche
Benachteiligung von Jungen. Das Bundesjugendkuratorium (BJK) ist ein von der Bundesregierung eingesetztes Gremium. Es berät die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Kinder- und Jugendhilfe und in Querschnittsfragen der Kinder- und Jugendpolitik.

Die schulischen Leistungen von Jungen und Mädchen werden immer häufiger öffentlich diskutiert; dabei werden die Bildungserfolge der Mädchen den Misserfolgen der Jungen gegenübergestellt. Das Bundesjugendkuratorium (BJK) durchleuchtet in seiner Stellungnahme den medialen und fachöffentlichen Diskurs zu bildungsbezogenen Unterschieden zwischen Jungen und Mädchen. Es stellt fest, dass dabei die Differenzen nach Geschlecht innerhalb des Bildungssystems einseitig betrachtet werden. Diese Debatte ist verkürzt, wenn sie vor allem das vermeintlich eindeutige schlechtere Abschneiden von Jungen im Bildungsbereich hervorhebt, ohne zu berücksichtigen, dass es umfassender um Geschlechterrollen und um eine Positionierung von Männern und Frauen in dieser Gesellschaft geht. Ferner weist das BJK darauf hin, dass man genauer die Übergänge zwischen Ausbildung, Studium und Beruf analysieren muss, um Bildungsungleichheiten zwischen Jungen und Mädchen präziser aufschlüsseln zu können.

"Die Rede von dummen und im Bildungssystem benachteiligten Jungen ist verkürzt und verfehlt das eigentliche Problem. Es geht um die Beseitigung von ungleich verteilten gesellschaftlichen Chancen", erklärt die Vorsitzende des BJK Dr. Claudia Lücking-Michel. So stellt das BJK fest, dass sich zum Beispiel die schlechteren Schulleistungen von Jungen beim Übergang in den Beruf zuungunsten junger Frauen verschieben. Zudem ist es nicht zutreffend, "die" Jungen pauschal als Bildungsverlierer zu betrachten, da die Ergebnisse für die Jungen ein sehr heterogenes Bild abgeben, insbesondere wenn weitere Unterscheidungen nach Migrationsgeschichte und sozialer Herkunft berücksichtigt werden.

Im Zuge der aktuellen Debatte wird häufig als Lösung gefordert, das männliche Personal in unterschiedlichen pädagogischen Einrichtungen zu erhöhen. Gegenüber solchen kurzschlüssigen Empfehlungen regt das BJK an, vor allem über die damit erwarteten pädagogischen Inhalte nachzudenken, also welche Vorstellungen von Männlichkeit in diesen Rollen und Berufen repräsentiert werden sollen. Zudem empfiehlt das BJK, die Konzepte subjektorientierter Förderung zu nutzen und beispielsweise den Schulunterricht an diesem Prinzip auszurichten, um die ungleichen Chancen von Jungen und Mädchen zu überwinden. Auch sollten die Erfolge der Mädchenförderung und insbesondere die Erfahrungen der außerschulischen Bildung mit geschlechterbewussten Konzepten genutzt werden. Wichtig für das BJK ist das genaue Hinsehen und das Aufbauen auf Erfahrungen mit einer für Mädchen und Jungen differenzierenden Pädagogik - statt einem auf Schlagworte verkürzten, undifferenzierten Aktionismus.

Die Stellungnahme des BJK mit dem Titel "Schlaue Mädchen – Dumme Jungen? Gegen Verkürzungen im aktuellen Geschlechterdiskurs" finden Sie unter: www.bundesjugendkuratorium.de/positionen.html

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