Netzwerkauftakt | 'Männer und Grundschullehramt – Gender und Diversität in der Grundschule'

Auf dem Weg zu mehr "Vielfalt im Klassenzimmer" an Niedersachsens Grundschulen hat die Universität Hildesheim einen weiteren Schritt getan. Bei der Auftaktveranstaltung des Netzwerkes "Männer und Grundschullehramt – Gender und Diversität in der Grundschule" am 20. November 2013 nahmen etwa 60 Interessierte das Angebot zur Vernetzung und zum regen Gedankenaustausch an.


Lehrer sind in den Klassenzimmern von Niedersachsens Grundschulen noch eher selten anzutreffen: Die Quote der männlichen Lehrkräfte lag im Jahr 2011 bei nur 10,2 %. Die Universität Hildesheim arbeitet mit dem Projekt "Männer und Grundschullehramt" seit zwei Jahren daran, junge Männer für ein Studium mit dem Berufsziel Grundschullehrer zu gewinnen. Denn Kinder, die Geschlechtervielfalt im Klassenzimmer kennenlernen, können Rollenklischees und ihr eigenes Rollenverhalten im Alltag besser reflektieren und revidieren.


Dr-Silvia-Lange-und-Prof-Dr-Hannelore-Faulstich-WielandUniversitäten arbeiten als eines der letzten Glieder in der Gender-Sozialisationskette, wie Dr. Silvia Lange, Gleichstellungsbeauftragte und Projektleiterin, betonte. Oft hätten sich traditionelle Rollenbilder bei Studierenden bereits verfestigt. Um so erfreulicher sei es, dass die Universität Hildesheim den Anteil männlicher Studierender im Masterstudiengang mit dem Schwerpunkt Grundschule von 10,6% im WiSe 2009/2010 auf 14,8 % im WiSe 2012/2013 steigern konnte.


Dazu beigetragen hat der Ansatz des Projekts "Männer im Grundschullehramt", der jungen Männern einen realitätsnähen Blick auf den Beruf ermöglicht. Projektkoordinatorin Sabine Hastedt stellte die bisher umgesetzten Maßnahmen vor. Dazu gehören unter anderem Angebote im Rahmen des Boys Day an der Universität Hildesheim, die Zusammenarbeit mit der zentralen Studienberatung und die Teilnahme an Berufsinformationsabenden für die gymnasiale Oberstufe. Praktische Orientierung bietet auch das "Schultandem", mit dem Gymnasiasten ihre Eignung für den Beruf erproben können. Im Rahmen des Studiums bietet die Universität Hildesheim außerdem Gastvorträge zu Genderthemen sowie ein Gendertraining für Lehramtsstudierende an.


Dr-Christoph-Fantini-und-Martin-PreisigkeWie erfolgversprechende Wege zu mehr Geschlechtervielfalt unter Lehramtsstudierenden und Lehrkräften aussehen können, diskutierten zwei Arbeitsgruppen unter der Leitung von Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland von der Universität Hamburg und Dr. Christoph Fantini vom Bremer Kooperationsprojekt "Männer in die Grundschule".


Dabei ging es unter anderem um die Frage einer Quotenregelung bei der Studienzulassung und die Notwendigkeit intensiverer Kooperation von technischen und erziehungswissenschaftlichen Fakultäten. Auch die verbreitete Wahrnehmung des Berufs Grundschullehrkraft als "Care-Beruf" wurde als Problem benannt. Die intellektuellen Herausforderungen und Leistungen des Berufes sollten das Image stärker prägen, um mehr Männer anzusprechen. Die Verbindung von lösungsorientiertem Arbeiten und Vermittlungskompetenz entspreche eher ihrer Motivation.


Einig waren sich die Teilnehmenden darüber, dass junge Männer vor allem über praktische Erfahrungen für den Beruf gewonnen werden können. Grundsätzlich müsse außerdem immer die Qualität des Unterrichts und nicht das Geschlecht der Lehrkraft im Mittelpunkt stehen.


Fotos: Gleichberechtigung und Vernetzung e.V.


Zurück