Schule als offener Lernort: Thema Jugendgewalt

Zu den aktuellen Entwicklungen von Jugendgewalt an den Schulen gibt es noch keine empirisch abgesicherten Theorien, eher plausible Erklärungsmodelle. So wird Gewalttätigkeit von männlichen Jugendlichen als Ausdruck einer Krise der Männlichkeit interpretiert. "Als Ursache hierfür bietet sich die Diskrepanz an, die heute vielfach zwischen Männerträumen und der Wirklichkeit besteht. Die Medien zelebrieren den Typ des Rambo-Kämpfers, der sich mit Gewalt durchsetzt und schaffen damit suggestiv wirkende Identifikationsbilder für junge Männer.

Im Alltag der Schule, der Ausbildung und des Berufes ist dagegen ein ganz anderer Typ Mann gefragt - einer der teamfähig ist, der über kommunikative Kompetenz verfügt und mit einer Frau als Vorgesetzten keine Schwierigkeiten hat." (Christian Pfeiffer, Gewalt und Zivilcourage: 8)

Bisher kaum erforscht sind die Formen von Gewalt, an denen Mädchen beteiligt sind. Dabei handelt es sich nicht nur um psychische Gewalt (Ausgrenzung, Beschimpfungen etc.), die man eher bei Mädchen vermutet oder um Gewalt befürwortende Einstellungen, sondern auch um gewalttätiges Handeln im Sinne physischer Gewalt. Etwa jeder 5. jugendliche Gewaltkriminelle ist weiblich.

Geschlechterstereotype (aggressive Jungen und ruhige Mädchen) treffen immer weniger zu. Auch Mädchen versuchen sich mit Mitteln der Gewalt durchzusetzen, denn Gewaltbereitschaft bedeutet Anerkennung. Aktuelle Forschungsergebnisse sprechen davon, dass dieses Verhalten auch als neues Element von Weiblichkeitskonzepten zu interpretieren ist. Da die Ursachen dieser zunehmenden Gewaltbereitschaft kaum erforscht sind, gibt es auch keine auf Mädchen ausgerichteten Präventionskonzepte.

An vielen Schulen werden Maßnahmen gegen Gewalt durchgeführt, dabei werden aber Mädchen als Zielgruppe häufig vernachlässigt. Um die Aufmerksamkeit für dieses Problem zu erhöhen, sollte die Elternvertretung

  • bei schulischen Präventionsmaßnahmen (z.B. Konfliktlotsen) auf die gleichberechtigte Teilnahme von Mädchen hinwirken;

  • bei einer Kooperation zwischen Schule und Polizei auch Maßnahmen einfordern, die Mädchen als Täterinnen mit in den Blick nehmen;

  • Informationsveranstaltungen organisieren;

  • das Konzept einer gewaltfreien Schule anregen nach Dan Olweus; dort finden sich auch weitere praktische Ratschläge für Maßnahmen auf unterschiedlichen Handlungsebenen in der Schule.

Links

Das Thema Gewaltprävention auf der Website des Niedersächsischen Kultusministeriums

Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.

Literatur

Dan Olweus, Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können. Bern, Göttingen, Toronto, Seattle 1999.

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