Was ist Gender Mainstreaming?

Gender Mainstreaming ist eine Strategie, um Entscheidungsprozesse in einer Organisation im Hinblick auf die Gleichstellung der Geschlechter zu verändern. Sie betrifft alle Organisationen und Institutionen, die politische Entscheidungen treffen oder mit ihrer Arbeit gesellschaftspolitische Weichen stellen (z.B. Verwaltung, Schulen, Gesundheitswesen). Mit der Strategie des Gender Mainstreaming soll formulierten Zielsetzungen wie Chancengleichheit, Gleichstellung und Geschlechterdemokratie zur besseren Umsetzung verholfen werden.

Der Begriff Gender Mainstreaming kommt aus dem Englischen und wird auch im deutschsprachigen Raum verwandt. Er läßt sich nicht ohne Bedeutungsverlust übersetzen, weil es in der deutschen Sprache nicht die Unterscheidung zwischen sex (biologisches Geschlecht) und gender (soziales Geschlecht) gibt.

>>Gender bedeutet das soziale und kulturelle Geschlecht (im Unterschied zum biologischen Geschlecht).
>>Mainstreaming bedeutet, etwas in die gesellschaftliche Hauptströmung aufzunehmen, zu einer Leitlinie des Handelns zu machen.

Die Geschlechterperspektive wird zum selbstverständlichen Bestandteil des Denkens und Handelns
Zum Vergleich: Wie das Prinzip der Ökonomie in der Regel alle Entscheidungsprozesse in Organisationen von Anfang bis Ende durchzieht, wird mit dem Prinzip des Gender Mainstreaming die Frage nach den Auswirkungen auf die Geschlechter von vornherein zum selbstverständlichen Bestandteil des Denkens, Entscheidens und Handelns aller Mitglieder einer Organisation oder einer Berufsgruppe. Die Gleichstellung der Geschlechter wäre damit kein separates Thema mehr, sondern ein Grundprinzip, das in der täglichen Arbeit zu berücksichtigen ist.

Beide Geschlechter tragen Verantwortung für Chancengleichheit
Damit liegt die Verantwortung für die gerechte Gestaltung der Geschlechterverhältnisse nicht mehr nur bei den Frauen und der Frauenpolitik, sondern auch Männer sind gefordert, die Chancenungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu beseitigen.

Gender Mainstreaming ist auf alle gesellschaftlichen Bereiche anwendbar
Gender Mainstreaming setzt bei allen politisch-gesellschaftlichen Handlungsfeldern an, auch bei solchen, die auf den ersten Blick geschlechtsneutral erscheinen. Damit entsteht die Chance, geschlechtsspezifische Wahrnehmungs- und Handlungsmuster zu erkennen und zu benennen. Verhältnisse und Vorgehensweisen, die als selbstverständlich und allgemeingültig gelten, werden auf Geschlechtergerechtigkeit überprüft, mit neuen Fragestellungen bedacht und der Veränderung zugänglich gemacht.

Sensibilisierung für die Geschlechterverhältnisse
Mit der Strategie des Gender Mainstreaming wird in Organisationen die kontinuierliche und konsequente Auseinandersetzung mit der Geschlechtergerechtigkeit verankert. Gender Mainstreaming ist damit auch so etwas wie ein Wahrnehmungs-Training für alle Beteiligten und Entscheidungsträger. Der Blick auf die Geschlechterverhältnisse wird sensibilisiert und geschärft und eingefahrene Denkstrukturen können aufgebrochen werden.

Ziehen wir zum Vergleich ein Bild mit einer optischen Täuschung oder ein Vexierbild heran, das uns eine bestimmte optische Realität suggeriert. Beim genaueren Betrachten, durch einen Wechsel des Blickwinkels oder Nachmessen wird jedoch erkennbar, daß die Darstellung unser Auge in die Irre geführt hat. Mit der Anwendung des Gender Mainstreaming werden Verhältnisse und Sachverhalte, die als normal, naturgegeben oder "schon immer so gewesen" wahrgenommen werden, genauer analysiert. So können versteckte Phänomene wie Benachteiligungen, gesellschaftliche Interessenlagen und Rollenzuschreibungen sichtbar gemacht werden.

Kompetenz und Fachwissen sind gefordert
Mit der Berücksichtigung der Gender Perspektive wird Wissen über die gesellschaftliche Situation von Frauen und Männern geschaffen. Die konsequente Umsetzung des Gender Mainstreaming erfordert jedoch auch ein hohes Maß an Qualifikation und Fachwissen über geschlechtsspezifische Zusammenhänge, das als Genderkompetenz bezeichnet wird.


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