Gender in Schule und Unterricht

Schule ist kein geschlechtsneutraler Raum
Schule ist ein soziales System, in dem Doing Gender, die soziale Konstruktion von Geschlecht in der Interaktion, eine bedeutende Rolle spielt. Schule stellt eine Lebenswelt dar, in der die Ausgestaltung von Geschlechterverhältnissen stattfindet wie in jedem anderen Lebensraum. Hier werden geschlechtliche Identität und Geschlechtsrollen von Schülerinnen und Schülern erlernt und erworben.

Lehrkräfte sind Männer und Frauen - und sie unterrichten Jungen und Mädchen
Kinder und Jugendliche treffen auf Lehrkräfte, die an sie bestimmte Geschlechtsrollenerwartungen stellen und die in ihrem Frau- oder Mannsein für sie Bezugs- und Identifkationsfiguren sind. Lehrkräfte treffen auf Schülerinnen und Schüler, die als Jungen und Mädchen unterschiedliches Sozialverhalten, unterschiedliche Arten zu lernen und unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen aufweisen. Mädchen treffen auf Jungen und umgekehrt und erwerben in Abgrenzung und Identifikation Geschlechtsrollen und geschlechtsspezifische Muster.

Gender wird also im Umgang mit dem gleichen und dem anderen Geschlecht durch soziale Interaktionen gelernt, hergestellt und gestaltet. In der Pubertät erfährt dieser Prozess eine besondere Dynamik, wenn Jungen und Mädchen ihre Geschlechtsrollenidentität entwickeln. Für sie verstärkt sich - vor allem in heterogenen Gruppen - der Druck, sich geschlechtsangemessen, entsprechend der Erwartungen des anderen Geschlechts, zu verhalten. Dies kann zu geschlechterstereotypischen Einengungen führen, die sich auf die Entwicklung von Verhaltensmustern und Interessen auswirken.

Chancengleiches Lernen
Bestimmte Unterrichtsfächer und Themen bleiben unter diesen Umständen nicht geschlechtsneutral, sondern bekommen einen geschlechtstypischen Charakter: Naturwissenschaften und Computer werden zur Sache der Jungen, sprachliche Fächer gelten als Mädchenfächer. Mit den Zuordnungen, welche Lernfelder und Themen männlich oder weiblich sind, ändert sich auch der Zugang zu ihnen und das Lernverhalten.

Wenn Mädchen in technisch-naturwissenschafltichen Fächern angesichts der vermeintlich größeren Kompetenz der Jungen nicht zum Zuge kommen, kann für sie daraus ein Verlust von Selbstvertrauen resultieren und das Interesse am Gegenstand verlorengehen. Für Mädchen wie Jungen kann es auch zu Rollenkonflikten kommen, wenn sie sich für die "Domänen" des anderen Geschlechts interessieren.

Für Lehrkräfte stellt es eine hohe Anforderung dar, die unterschiedlichen Lern- und Zugangsweisen im Unterricht zu berücksichtigen und zu integrieren, um chancengleiches Lernen zu ermöglichen, Defizite auszugleichen und der Verfestigung von Geschlechtsstereotypen entgegenzuwirken.

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