Medien und Internet

Der Zugang zum Computer ist stark von der Geschlechterdynamik im Klassenraum abhängig
Mädchen billigen sich häufig eine geringere Kompetenz im Umgang mit dem Computer zu und lassen sich von Mißerfolgen schneller entmutigen. Jungen geben sich diesbezüglich eher selbstbewußt, auch wenn sie faktisch oft nicht über mehr Wissen verfügen. Im gemeinsamen Unterricht dominieren sie oft und "helfen" den Mädchen, zuweilen allerdings in eher entmutigender Weise. Mädchen orientieren sich am vermeintlichen Kenntnisstand der Jungen, resignieren und verlieren ihr Selbstvertrauen und das Interesse.

Unterschiedliches Nutzungsverhalten
Mädchen haben einen anderen Zugang zum Computer und unterschiedliche Motive, sich damit zu beschäftigen. Sie sind weniger von der Technik fasziniert als die Jungen und es interessiert sie weniger, wie das Gerät funktioniert als die Frage, was man damit machen kann. Für sie ist der Computer ein Arbeitsmittel und ihr Verhältnis dazu ist stark nutzenorientiert. Sie spielen weniger und probieren weniger aus, und sind eher darüber zu motivieren, wenn deutlich gemacht wird, wofür ein Programm gut ist. Mädchen nutzen den Computer vorrangig für Textverarbeitung, Schularbeiten und das Austauschen von e-mails. Jungen surfen öfter und länger und interessieren sich für Computerspiele.

Der Verfestigung von Geschlechtsstereotypen entgegenwirken
Eine Gleichbehandlung beider Geschlechter ungeachtet der unterschiedlichen Voraussetzungen kann nicht dazu beitragen, die kreativen Potentiale der Mädchen zu aktivieren und zu nutzen. Durch zahlreiche Schul- und Unterrichtsprojekte mit dem Ziel, Mädchen an Computer heranzuführen und ihre Kompetenz auszubauen, liegen vielfältige Erfahrungen vor: darüber, wie die unterschiedlichen Zugangsweisen aussehen, wie sie bewusst gemacht werden können und über die Auswirkungen verschiedener Unterrichtsformen und Konzepte.

Eine zentrale Frage dabei war immer, ob der Computerunterricht in gemischt- oder gleichgeschlechtlichen Gruppen stattfinden soll. Konsens ist, die Unterrichtsgestaltung flexibel zu gestalten und jeweils darauf zu überprüfen, ob sie die bestehenden Geschlechterverhältnisse stabilisiert oder eine kritische Auseinandersetzung und ihre Veränderung fördert. Eine generelle Rückkehr zum getrenntgeschlechtlichen Unterricht wird nicht angestrebt und wird Befragungen zufolge auch von den Mädchen nicht gewünscht.

Es geht vielmehr darum, Sensibilisierung für den Bedarf einer Lerngruppe zu schaffen und situationsgerecht im Sinne einer reflexiven Koedukation mit angemessenen Konzepten darauf reagieren zu können. So sollten dann getrennte Gruppen oder geschlechterbezogene Aufgabenstellungen ermöglicht werden, wo sie gewünscht werden und der Entwicklung beider Geschlechter förderlich sind.

Mädchenspezifische Zugangsweisen berücksichtigen und integrieren
Mädchen sind durchaus für Computer zu interessieren und zu begeistern, wenn ihre spezifischen Zugangsweisen berücksichtigt werden und die inhaltliche Nutzung an ihre Bedürfnisse und an für sie wichtige Themen anknüpft. Genderorientierter Computerunterricht und die Vermittlung, wie wichtig ein kompetenter Umgang mit Informationstechnologien nicht nur in IT-Berufen, sondern zukünftig in nahezu allen Berufssparten sein wird, stellt somit einen wichtigen Beitrag für die Chancengleicheit im späteren Berufsleben dar.

Links zum Thema

  • Website der Bundeszentrale für politische Bildung zur Nutzung von Computerspielen unter anderem zum Thema "Mädchen und Computerspiele"www.spielbar.de

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