Leseförderung braucht verlässliche Strukturen

Lesefoerderung_GSFeldbuschwende_7_Stuhlkreis_120pxJungen und Mädchen unterscheiden sich in ihren Vorlieben bei Büchern, aber nicht in ihrer Bereitschaft zu Lesen oder in ihrer Lesefähigkeit. Davon ist Insa Reichwehr überzeugt. Regelmäßig besucht die Lehrerin mit den von ihr im Fach Deutsch unterrichteten Klassen der Grundschule An der Feldbuschwende in Hannover die nahe gelegene Stadtteilbibliothek und verschafft den Kindern dort auch während des Unterrichts Zeit zum Lesen und Zuhören beim Vorlesen.

Etwa alle sechs Wochen macht sie sich gemeinsam mit einer Mutter aus der Klasse mit den Schülerinnen und Schülern zu Fuß auf den Weg zur Bibliothek. Die Kinder leihen dort Bücher für eine regelmäßige "Lesestunde" in der Schule aus. Für Ausleihe und Rückgabe der Bücher sind die Schülerinnen und Schüler selbst verantwortlich.

Lesefoerderung_GSFeldbuschwende6_Jungsbuecher_120pxFür die Auswahl des Lesestoffs gibt es nur wenige Regeln. Mindestens zwei Bücher sollten es sein, davon mindestens ein Erzähl- und ein Sachbuch. Vorgaben bei den Themen gibt es nicht. "Die Kinder leihen fast immer die Bücher aus, die sie bewältigen können, sei es ein Buch mit wenig Text und großen Abbildungen oder ein Harry-Potter-Roman", hat Insa Reichwehr beobachtet.

Unterschiede bei den Vorlieben gibt es durchaus: Mädchen mögen eher Bücher über Pferde, Freundschaft und "kuschelige Tiere" wie Hamster oder Kaninchen. Die Jungen interessieren sich häufiger für gruselige und spannende Geschichten, Technik, Fußball, gefährliche oder Furcht einflößende Tiere wie Dinos, Schlangen oder Spinnen. Sie sind auch eher für geschichtliche Themen wie etwa die Ritterzeit zu begeistern. Detektivgeschichten und Buchreihen wie das "Magische Baumhaus" sind bei Jungen und Mädchen gleichermaßen beliebt.

Lesefoerderung_GSFeldbuschwende_11_Stuhlkreis_120pxErwartet werden die Mädchen und Jungen regelmäßig von einer Mitarbeiterin der Bibliothek. Sie liest im Stuhlkreis aus einem Buch vor, das sie für die Kinder ausgewählt hat. Die Kinder sind aufmerksam, denn sie kennen das Ritual und kommen zur Ruhe. Nach dem Vorlesen können sie Fragen zum Gehörten gut beantworten.

Verlässliche Strukturen und regelmäßige Abläufe geben den Kindern Sicherheit beim Lesenlernen. Dass sich die Mühe lohnt, zeigen die sehr guten Ergebnisse der bundesweit jährlich verpflichtenden Vergleichsarbeiten (VERA) im Bereich Lesen.

Forderung und Förderung der Lesekompetenz von (Schul-)Kindern gelingt viel eher über ein breites Angebot an Themen und Schwierigkeitsgraden von Literatur, für die sich Kinder durchaus begeistern lassen! "Wenn beispielsweise alle Kinder einer Klasse denselben Text in einem Lesebuch lesen sollen, verlieren sie oft schnell das Interesse. Sie erschließen sich viel lieber selbst den Inhalt von Stoffen und Themen, die sie wirklich spannend finden", hat Insa Reichwehr festgestellt.

Auf dem Rückweg von der Bibliothek dürfen die Kinder den letzten Teil des Weges zur Schule rennen: eine willkommene Abwechslung nach der langen Konzentrationsphase.

Lesen Sie auch unser Interview zur Leseförderung mit Insa Reichwehr.

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