Naturwissenschaften

Mit zunehmendem Alter, spätestens zum Ende der Sekundarstufe II zeichnen sich deutliche geschlechtsspezifische Vorlieben in der Fächerwahl ab. Jungen wählen mathematisch-naturwissenschaftliche Fächer, während Mädchen sprachliche Fächer bevorzugen. Physik ist offenbar mit Abstand das unbeliebteste Fach - hier sind Mädchen nur vereinzelt anzutreffen.

Einbrüche ins Selbstvertrauen und weniger günstige Selbstwertentwicklung
Mädchen weisen ein gering ausgeprägtes Selbstvertrauen und ein eher negatives Selbstkonzept im Hinblick auf ihre Leistungsfähigkeit im naturwissenschaftlichen Bereich (ausgenommen Biologie) auf. Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass diese Fächer als männliches Wissensgebiet gelten: darin Leistungserfolge zu erzielen kann als Widerspruch zur weiblichen Geschlechtsrolle erlebt werden. Darüberhinaus wirken das Selbstbewußtsein und die Dominanz der Jungen im Unterricht abschreckend.

Mädchen finden den Unterricht langweilig, aber nicht die Erklärung alltäglicher Sachverhalte
Das mangelnde Interesse am Unterricht soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass Mädchen durchaus Interesse an der Erkundung naturwissenschaftlicher Phänomene entwickeln, wenn ein Bezug zu ihrer Lebenswelt hergestellt und damit auch Nutzen und Folgen naturwissenschaftlichen Wissens deutlich werden. Aus der Interessensforschung ist bekannt, dass Mädchen interessiert sind an der Erklärung von Naturphänomenen, an Themen mit Bezug zum menschlichen Körper sowie an der gesellschaftlichen Bedeutung naturwissenschaflticher Erkenntnis, z.B. im Bereich der Ökologie.

Lernumgebungen schaffen, die beiden Geschlechtern gerecht werden
Studien und Modellprojekte haben gezeigt, dass eine Unterrichtsgestaltung, die die unterschiedlichen Bedürfnisse, Fähigkeiten und bevorzugten Arbeitsformen von Schülern und Schülerinnen berücksichtigt, die Motivation von Mädchen für naturwissenschaftliche Fächer erhöhen kann. Sie entwickeln ein positiveres Selbstkonzept und können ihre Leistungen verbessern.
Dazu gehören Maßnahmen wie ein zeitweise getrenntgeschlechtlicher Unterricht, kooperative Arbeitsformen, eine Orientierung der Inhalte an Vorerfahrungen und Interessen der Mädchen (ein lebensweltlich orientierter Unterricht nutzt auch den Jungen) und nicht zuletzt eine Sensibilisierung von Schülern und Schülerinnen für die geschlechtsspezifischen Stärken und Schwächen.

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