Mädchen und Jungen in Schule und Unterricht

Maedchen-und-Jungen-in-Schule-und-UnterrichtDer "Quantensprung" in der Bildungsbeteiligung von Mädchen lässt Jungen derzeit als Bildungsverlierer erscheinen. Werden jedoch neben formalen Qualifikationen und Abschlüssen weitere für den Bildungsverlauf relevante Merkmale betrachtet, fällt das Bild nicht mehr so günstig für Mädchen aus. Wie kann es gelingen, Jungen und Mädchen hinsichtlich der sozialen, kulturellen und sprachlichen Heterogenität in Schule und Unterricht angemessen zu fördern?

Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden, Universitätsprofessorin für die Pädagogik der Kindheit und Jugend an der Universität Augsburg, Dr. Verena Schurt und Dr. Wiebke Waburg haben ein Lehrbuch im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprogramms "Heterogenität und Bildungserfolg" herausgegeben, das sich an Dozentinnen und Dozenten, Studierende und Lehrkräfte richtet, die sich mit dem Thema Genderkompetenz auseinandersetzen wollen.

Werden emotionale, motivationale und kognitive Faktoren schulischer Entwicklung berücksichtigt, so zeigt sich, dass bei Schülerinnen das leistungsbezogene Selbstvertrauen und der schulische Selbstwert geringer ausgeprägt sind als bei Schülern. Beim Übergang in den Beruf wirken strukturelle Benachteiligungen in die berufliche Biographie.

Unterschiede in schulischen Sozialisationsbedingungen manifestieren sich ganz allgemein in geschlechtsbezogenen Erwartungen und Erziehungszielen, in einer unterschiedlichen Behandlung der Geschlechter sowie in männlichen und weiblichen Verhaltensmodellen, die unter anderem durch Medieneinflüsse, Familie und Peergroup vorgelebt und geprägt werden.

Die Autorinnen untersuchen Bildungskarrieren und formal erworbene Qualifikation, analysieren aber außerdem den Zusammenhang von Bildungserfolgen mit individuellen Faktoren wie Wohlbefinden und Lernemotionen, die ebenfalls Einfluss auf die spätere berufsbiografische Verwertung schulischer Qualifikationen haben.

Weiterer Schwerpunkt der Beiträge ist die Frage, wie Differenzen zwischen Mädchen und Jungen in Schule und Unterricht zustande kommen und wie Geschlecht im schulischen Alltag interaktiv hergestellt wird. Wie verläuft die Sozialisation von Jungen und Mädchen in männlich bzw. weiblich konnotierten Fächern?

Das Fazit der dargestellten Diskussion ziehen die Autorinnen im letzten Teil des Buches mit Beispielen fachspezifischer Jungen- und Mädchenförderung im Unterricht und der Darstellung gendersensibler Methodik und Didaktik.

Das Buch ist mit seiner kompakten Darstellung und klaren Gliederung mit tabellarischen Zusammenfassungen und Begriffsdefinitionen insbesondere für Studierende, aber auch für andere Interessierte als Anregung und fachlicher Einstieg ins Thema zu empfehlen.

Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden, Dr. Verena Schubert, Dr. Wiebke Waburg: Mädchen und Jungen in Schule und Unterricht. Erschienen in der Reihe Lehren und Lernen, Verlag W. Kohlhammer 2012, 19,90 Euro. www.kohlhammer.de

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