Geschlechterkonstruktionen in schulischen Handlungsfeldern

Im Schwerpunktheft "Geschlechterkonstruktionen in schulischen Handlungsfeldern" sammelt die Zeitschrift Gender aktuelle Beiträge zur schulbezogenen Geschlechterforschung. Dabei geht es unter anderem um unterschiedliche Ausprägungen der Passfähigkeit von Schülerinnen an das stereotype Rollenbild des "braven Mädchens" und um Beobachtungen zum Feedbackverhalten von Lehrkräften gegenüber Mädchen und Jungen. Auf Untersuchungen zur Bedeutung des Geschlechts im Pausenspiel von Grundschulkindern und bei Angeboten zur Berufsorientierung beziehen sich weitere Beiträge.


Der Beitrag "Brave Mädchen?" beschreibt einen Fallvergleich von zwei Schülerinnengruppen im Hinblick auf die Passfähigkeit ihres Verhaltens in einer weiblich antizipierten Form bzw. konform zum stereotypen Rollenbild des "braven Mädchens". Diese Passfähigkeit (impression management) als Produkt wechselseitig vorgenommener Zuschreibungen war bei Schülerinnen eines Gymnasiums deutlich ausgeprägter zu beobachten als bei der Vergleichsgruppe in einer Gesamtschule. Die unterschiedliche "Inszenierungskompetenz" werde durch die Erwartungsstrukturen der Lehrkräfte institutionell gefördert, so das Autorenteam Oktay Aktan, Cornelia Hippmann und Michael Meuser.


Unterschiede im Feedbackverhalten von Lehrkräften gegenüber Mädchen und Jungen wertete ein Projekt an der Universität Kassel in einer quantitativen Studie aus. Demnach erhalten Jungen häufiger disziplinarisches oder negatives Feedback auf ihr Verhalten als Mädchen. Im inhaltlichen Bezug des Feedbacks konnten dagegen keine geschlechtsspezifischen Unterschiede belegt werden, wie Ann-Katrin Denn, Miriam Lotz, Caroline Theurer und Frank Lipowski darstellen.


Torsten Eckermann zeigt in seinem Beitrag, welche Bedeutung Geschlecht als Unterscheidungsmerkmal im Pausenspiel von Grundschulkindern hat. Hier werden Grenzen einerseits markiert, andererseits überschritten und "heruntergespielt".


Hannelore Faulstich-Wieland und Barbara Scholand fassen Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu Berufsorientierung und Gender an Stadtteilschulen in Hamburg zusammen.


Die wissenschaftlichen Beiträge erweitern bisherige Ergebnisse der schulorientierten Geschlechterforschung um neue Aspekte und richten den Blick auf außerunterrichtliche Handlungsfelder.


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Gender-1-2015_Zeitschrift-fuer-Geschlecht-Kultur-und-Gesellschaft

Jürgen Budde/ Katja Kansteiner/ Andrea Bossen, Beate Kortendiek (Hrsg.):
Geschlechterkonstruktionen in schulischen Handlungsfeldern
In: Gender. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft
Heft 1, 7. Jahrgang 2015


www.gender-zeitschrift.de