Geschlechtergerechte Schulhofgestaltung

Mädchen erleben und nutzen öffentliche Räume anders als Jungen. Sie verbringen ihre Freizeit eher im häuslichen Bereich oder in geschlossenen Räumen. Dabei spielen die Angst vor sexuellen Übergriffen seitens der Eltern und ein größeres Sicherheitsbedürfnis der Mädchen eine Rolle wie die Tatsache, dass Mädchen stärker in familiäre Pflichten eingebunden sind. Jungen sind weitaus häufiger im öffentlichen Raum, auf Spiel- und Bolzplätzen anzutreffen als Mädchen und verfügen insgesamt über einen größeren räumlichen Aktionsradius.

Jungen- und Mädchenspiele
Beobachtet man Kinder in der Pause, zeigt sich, dass Jungen und Mädchen den Schulhof in ganz unterschiedlicher Weise nutzen. Mädchen bevorzugen abgegrenzte und geschützte Areale als Rückzugs- oder Beobachtungsort. Sie spielen, reden und bewegen sich in eher kleinen Gruppen miteinander. Sie zeigen Vorlieben für Spiele, deren Regeln sie aushandeln wie Gummitwist oder Kästchenhüpfen oder Rollenspiele. Jungen spielen in eher größeren Gruppen miteinander und bevorzugen raumgreifende Wettkampfspiele wie z.B. Fußball.

Schülerinnen und Schüler nach ihren Wünschen fragen
Bei einer Umgestaltung des Schulhofs sollten Jungen und Mädchen nach ihren Vorstellungen und Wünschen befragt und in die Planung einbezogen werden.
Ein vielseitig gestalteter Schulhof, der den Ansprüchen an Bewegung, Ruhe, Spiel und sozialem Miteinander gleichermaßen gerecht wird, gibt Raum für individuelle und phantasievolle Pausenbeschäftigung. Interessenkollisionen oder die geschlechtstypische Nutzungsaufteilung in "tobende" Jungen und "ruhende" Mädchen könnten so verringert werden.

Literatur

  • Gleichstellungsstelle für Frauen der Landeshauptstadt München, Sozialreferat Stadtjugendamt, Jugendkulturwerk und Spiellandschaft Stadt e.V. (Hg.): "Spielräume für Mädchen", Lesebuch mit wissenschaftlichen Untersuchungen, Praxisprojekten und Bei-Spielen, Eigenverlag München 2002, 3 Euro. Bezugsadresse: Spiellandschaft Stadt e.V., Albrechtsstr. 37, 80636 München, Telefon (089) 183335, Kids@spiellandschaft.de.

  • Antje Flade, Beatrice Kustor (Hg.): "Mädchen in der Stadtplanung. Bolzplätze - und was sonst?", Deutscher Studienverlag, Weinheim, 1993, 19,90 Euro.

  • Johanna Forster: "Räume zum Lernen und Spielen", Untersuchungen zum Lebensumfeld Schule, Wissenschaft und Bildung, Berlin, 2000, 24,00 Euro.

  • Ursula Nissen: "Kindheit, Geschlecht und Raum", Sozialisationstheoretische Zusammenhänge geschlechtsspezifischer Raumaneignung, Juventa-Verlag, Weinheim, 1998, 19,50 Euro.
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