Geschlechterreflektierte Pädagogik gegen Rechts

Geschlecht und Sexualität spielen eine bedeutende Rolle in der neonazistischen Ideologie und Lebenswelt. Die rechten Geschlechterwelten mit ihren Widersprüchlichkeiten, Abwehrreflexen und Attraktivitäten bieten daher Ansatzpunkte für pädagogische Präventionsarbeit gegen Neonazismus. Der Sammelband "Geschlechterreflektierte Pädagogik gegen Rechts" stellt Optionen für geschlechterreflektiertes pädagogisches Handeln zwischen bewusster Kontaktaufnahme und klarer Distanzierung vom rechten Mainstream dar.

Eine geschlechterreflektierte Pädagogik "Gegen Rechts" hilft pädagogischen Fachkräften bei der Einordnung der eigenen Arbeit: Ist ein nachfragender, verstehender Zugang zu verfolgen oder geht es um eine unmittelbare Diskriminierung, zu der klar Stellung bezogen werden muss? Möglich ist auch, strukturelle Ungleichheiten zu thematisieren, um anschließend gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen nach Interventions- bzw. demokratischen Veränderungsmöglichkeiten zu suchen.

Neonazistische Weltbilder von Jugendlichen sind in der Regel noch nicht gefestigt, so dass durch Auseinandersetzung und die Erweiterung von Erfahrungsräumen Veränderungsprozesse möglich werden. Kinder und Jugendliche werden so möglicherweise davon abgehalten, sich neonazistischen Lebenswelten zu nähern, anderen werden Distanzierungsprozesse ermöglicht und wieder andere werden ermutigt, sich gegen diskriminierende Verhältnisse zu wehren oder nicht-rechte Aktivitäten und Jugendkulturen zu entwickeln.

Das Bild von Geschlechterverhältnissen und Sexualität in rechten Kontexten ist widersprüchlich: Es gibt den männlichen Retter und Kämpfer sowie den Mann als Opfer gesellschaftlicher "Verweiblichungsprozesse". Frauen, die vom Sexismus in der extrem rechten Szene selbst betroffen sind, verschieben sexistische Vorstellungen auf "die Anderen". Die Beiträge des Bandes thematisieren unter anderem, wie die Funktionalität von Sexismus und Antifeminismus als Ausgangspunkt pädagogischen Handelns genutzt werden kann und welche Ansatzpunkte Soziale Arbeit gegen Rechtsextremismus mit Fokus auf Mädchen und Frauen bietet.

Erläutert wird, wie Pädagoginnen und Pädagogen den Verbalstrategien gegen das Eintreten für Geschlechteremanzipation erfolgreich begegnen können und wie der neo-homophobe Diskurs der Rechtskonservativen gegen die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt funktioniert.

Das Buch gibt einen detaillierten Einblick in die rechte Gedankenwelt und zeigt Chancen und Grenzen pädagogischer Einflussnahme auf. Besonders empfehlenswert für die pädagogische Praxis sind die Methodenkapitel.

Die Herausgeber: Andreas Hechler, Magisterstudium der Europäischen Ethnologie und Gender Studies, und Olaf Stuve, Diplomsoziologe, arbeiten als Bildungsreferenten der Jugend- und Erwachsenenbildung und wissenschaftliche Mitarbeiter bei Dissens - Institut für Bildung und Forschung, Berlin.

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Andreas Hechler/ Olaf Stuve (Hrsg.): Geschlechterreflektierte Pädagogik gegen Rechts, Verlag Barbara Budrich, Opladen, Berlin & Toronto 2015