Gendersensible Medienformate für Kinder

Die Märkte für Kindermedien sind in hohem Maße entlang von Geschlechtergrenzen segmentiert. Daraus ergeben sich Probleme für die Medienindustrie: Buchverlage haben Schwierigkeiten, Jungen als Zielgruppe zu erreichen, die Computerspielindustrie tut sich schwer damit, Mädchen als Kundinnen anzusprechen. Zudem sieht sich die Medienindustrie mit dem Vorwurf konfrontiert, durch die starke Orientierung an geschlechtsspezifischen Stereotypen in der Gestaltung ihrer Produkte zur Reproduktion und Verfestigung von geschlechtsspezifischen Unterschieden beizutragen.


Davon ausgehend hat das Forschungsprojekt "TraEx - Transmedia Extensions. Geschlechtssensibles Erzählen für Kinder" der österreichischen Fachhochschule St. Pölten untersucht, welches Potential transmediale Erzählformen für die Entwicklung von gendersensiblen Kindermedienformaten haben.


Geschichten werden in Medien zunehmend transmedial entwickelt und erzählt: Zur Fernsehserie gibt es Facebook-Seiten der Hauptcharaktere, die Handlung von Kinofilmen wird in Computerspielen erweitert oder Menschen können Sendungen mitgestalten. Das Projekt TraeX hat untersucht, wie sich solche Konzepte des transmedialen Storytellings für Kindermedien adaptieren lassen.


Ein besonderes Augenmerk kam transmedialen Erzählstrategien zu, in denen - im Unterschied zur crossmedialen Vermarktung - Geschichten nicht bloß von einem Medium in ein anderes transformiert, sondern plattformübergreifend erzählt werden. Das Projekt hat analysiert, inwieweit transmediale Formate den unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten von Mädchen und Jungen gerecht werden und gleichzeitig Anreize schaffen, sich neuen, bislang wenig genutzten Medien zuzuwenden, Geschlechterrollen zu hinterfragen und alternative Identifikationsangebote zu erproben.


Die Ergebnisse der Analysen und die Erfahrungen aus der praktischen Umsetzung wurden in Form eines Leitfadens für die Praxis der Formatentwicklung aufbereitet. Er kann auch für die Analyse verschiedener Medien unter Gendergesichtspunkten im Schulunterricht genutzt werden.


Das Projekt TraEx – Transmedia Extensions wurde finanziert vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie im Rahmen des Programms FEMtech FTI Projekte. Partnerinnen und Partner im Projekt waren das Institut für Jugendliteratur, Markus Wiemker Game Design, der Jungbrunnen-Verlag, das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien und Kinderbuchautorin Rosemarie Eichinger.


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Quelle: Pressemitteilung der Fachhochschule St. Pölten vom 12. April 2017


Download des Leitfadens und weitere Informationen zum Projekt unter traex.fhstp.ac.at