Regionalworkshop | 'Berufsorientierung für Jungen (aber auch Mädchen) ergebnisoffen gestalten'

Geschlechterstereotype wirken in die Berufswahl Jugendlicher hinein: Soziale, erzieherische und Care-Berufe sehen Jungen als "uncool" für sich an, Mädchen meiden handwerkliche und technische Berufsausbildungen. Berufsorientierung an Schulen kann dazu beitragen, den Einfluss der Geschlechterrollenbilder bei der Berufswahl zu relativieren. Der Weg dorthin führt über die Förderung individueller – bisher eventuell unbeachteter – Ressourcen der Schülerinnen und Schüler.


Regionalworkshop-Berufsorientierung_Gehrden6_07-05-14Impulse dazu gab der vierte und abschließende Regionalworkshop der Tagungsreihe Auch Jungen wollen können - Bausteine für eine gendersensible Schul- und Unterrichtsentwicklung des Niedersächsischen Kultusministeriums. Unter dem Titel "Berufsorientierung für Jungen (aber auch Mädchen) ergebnisoffen gestalten" fand er am 7. Mai 2014 in der Oberschule Gehrden statt. Dazu begrüßte Dr. Andreas Müller vom Niedersächsischen Kultusministerium die angereisten Lehrkräfte und lud noch einmal ausdrücklich zur weiteren Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch zum Thema gendersensible Schul- und Unterrichtsgestaltung ein. Die gesammelten Erkenntnisse und Praxisbeispiele aus Schulen sollen in eine Handreichung zur Tagungsreihe einfließen.


Durch die Anknüpfung an die Lebenswelt der Jugendlichen und die Mitarbeit in konkreten sozialen Projekten können "weiche Kompetenzen" gefördert und positiv verstärkt werden. Von dieser Erfahrung berichtete Olaf Jantz aus seiner Arbeit für mannigfaltig e.V. , Institut für Jungen- und Männerarbeit, in seinem Einführungsvortrag mit besonderem Blick auf die Jungen. Für sie sei auch bei der Berufswahl die Akzeptanz in der Peer Group besonders wichtig.


Regionalworkshop-Berufsorientierung_Gehrden8_07-05-14Der jährliche Zukunftstag für Jungen und Mädchen in Niedersachsen, bundesweit GirlsDay und BoysDay, wird von vielen Schulen genutzt, um geschlechterstereotypem Verhalten bei der Berufswahl zu begegnen. Die Referenten Uwe Peinz und Volkmar-Sebastian Knoke geben ihre Erfahrungen als Facherater für Berufsorientierung an Kolleginnen und Kollegen weiter. Sie beantworteten Fragen zu den Gestaltungsmöglichkeiten des Aktionstages in der Schule und zur Zusammenarbeit mit Unternehmen, die Plätze für Schülerinnen und Schüler anbieten. Für eine wirkungsvolle Einbindung des Zukunftstages in die Berufsorientierungsmaßnahmen empfehlen sie die Erarbeitung eines fächerübergreifenden Konzepts, das vom Kollegium gemeinsam beschlossen und reflektiert werden sollte.


Regionalworkshop-Berufsorientierung_Gehrden9_07-05-14Den Haushaltsparcours des Projekts "Neue Wege für Jungs" konnten die Teilnehmenden dann selbst testen. Er wurde zum Einsatz beim BoysDay in Schulen entwickelt und kann mit einfachen Materialien umgesetzt werden. Ob Wäschesymbole enträtseln, die Preise verschiedener Lebensmittel schätzen, T-Shirts bügeln oder Knöpfe annähen – Jungen sollen über den Spaß am Ausprobieren zur selbstständigen Teilung der Haushalts- und Familienarbeit ermutigt werden.


Regionalworkshop-Berufsorientierung_Gehrden2_07-05-14Welche Qualitäten Jungen brauchen, um sich bei Bewerbungen gut zu präsentieren, war Thema des Workshops mit Stefanie Groos vom Joblabor Hannover. Sie erstellte mit den Teilnehmenden eine Checkliste für gute Bewerbungen und empfahl, ehemalige Schüler im Rahmen der Berufsorientierung einzuladen, damit sie als "Peer-Group-Experten" ihre Erfahrungen weitergeben können.


Das Verfahren der Kompetenzanalyse Profil AC Niedersachsen stellte Karin Salzwedel vor, die als Fachberaterin ihre Erfahrungen im Bereich Berufsorientierung weitergibt. Auf dem Weg zur individuellen Berufsorientierung bietet das Verfahren Schulen die Möglichkeit, ohne weitere Kosten eine Kompetenzfeststellung durchzuführen.


Das besondere Konzept der Oberschule Gehrden erläuterte Schulleiter Carsten Huge im Anschluss an die Workshops. Übergeordnetes Ziel ist dabei, Schülerinnen und Schüler bewusst in der Entwicklung von Lebensgestaltungskompetenzen zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem iPad-Klassen und verbindliche soziale Projekte. Auch die enge Kooperation mit Berufsschulen, Betrieben und anderen externen Kooperationspartnern ist Teil des Konzepts. Es soll die Schülerinnen und Schüler befähigen, ihre individuellen Stärken zu entdecken und sich Ziele für den späteren Berufs- und Lebensweg zu setzen.


Fotos: Gleichberechtigung und Vernetzung e.V.


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